Klappt
Gestern einer Freundin meine aktuelle Situation zusammengefasst. Das hat mich so sprachlos gemacht, im gleichen Atemzug jedoch meine Erschöpfung verifiziert und ich bin um 21h schlafen gegangen - mit einer kurzen Unterbrechung zum Aufräumen der Küche gegen elf hab ich dann bis heute um sieben Uhr geschlafen. So viel wie seit Wochen nicht.
Draußen hat es sich eingeregnet, ich habe Kaffee getrunken und gehe heute später in die Arbeit, weil mein Sohn erst später Schule hat. Gestern waren wir unterwegs noch gemeinsam mit Oma, es war ein schöner, runder Tag.
Auf der Kunstausstellung war ich auch, hat mir sehr gefallen. Habe ja zu dieser Bubble ein gespaltenes Verhältnis gehabt, seit ich Anfang der 2000er von der Kunstuni in den Wahnsinn geflüchtet war, geflüchtet deswegen, weil ich diesen klaffenden Graben zwischen der großartigen Umgebung, den noch großartigeren Lehrenden und der inspirierenden Vibration in der Luft, wenn so viel Kunst nebeneinander existiert und entsteht mit der Kehrseite, der extrem intriganten Ellenbogenmentalität, die hinter einer zutiefst liberalen und oberflächlich progressiven Fassade mit Fäusten, Messer, Penissen, Worten und was für Waffen einem noch einfallen, versucht, den Kollegen auszustechen oder auszusaugen wie unsere Vogelspinne den nächstbesten Heuschreck, der ihr zu nahe kommt.
Das ist natürlich lächerlich, dass ich da, naiv, gedacht habe, wir sind eine große inhaltliche Familie, die der Kunst dient und damit der Gesellschaft und dem Fortbestand der demokratischen Weltgemeinschaft, aber ich habe es halt glauben wollen, zunächst. Als es losging mit den eiskalten Blicken, den geklauten Inhalten und dem grinsend vorgetragenen Urteil, ich sei nichts als ein Schuss ins Knie, hätten Frau Müller oder Herr Herbst vermutlich gelacht und weitergemacht mit seiner oder ihrer Kunst, bei mir aber wurde ein Schalter umgelegt, der installiert worden war, als ich 12 war und mit dem Theaterstück gegen Müll & Egoismus und Plakaten gegen Temelin meine Klasse so verwirrt hatte, dass sie begonnen mich in Grund und Boden zu mobben, für die kommenden 3 Jahre.
Es ist schon so, dass man wen braucht, darüber zu reden. Ich glaub, das ist der Knackpunkt. Wenn man Opfer wird und das nicht benennen kann, wird es schwierig. Darum bin ich von W. Herzog auch enttäuscht, dass er es nicht schafft, über seinen geistigen Tellerrand zu schauen, und Therapie einfach ablehnt. Manchen Menschen hilft nur das. Er hat seine Kunst, er ist ein Mann, das ist alles viel einfacher für ihn. Hoffentlich nehmen ihn nicht zu viele junge Leute ernst, wenn sie drüber nachdenken, ob sie sich Hilfe suchen sollen oder nicht.
Therapie ist nicht per se gut, dass muss ich natürlich sagen.
Aber mir hat sie geholfen, das einzuordnen, auch die Ereignisse kurz bevor ich auf die Kunstuni kam, über die ich nie sprechen konnte, weil ich sie nicht miterlebt hatte, bei geistiger Anwesenheit, von denen andere wußten, mir aber nichts erzählten davon, aus nachvollziehbaren Gründen zwar, aber mich dem Irresein und potentiellen Suizid zu opfern, war halt auch keine klassische Form von zugewandter ich-habe-dich-gern-Liebe, das muss man auch so sagen.
Dass es mit Absicht geschah, weil sie meinen Inhalt zu erstaunlich fanden und deswegen, von Neid geplagt, bewußt oder nicht, das abzustellen gedachten, kann sein, muss nicht sein. Ich fälle da keine Urteile mehr.
Es ist seltsam, ich hadere auch nicht mit den - jetzt müssen sie sein, die Anführungszeichen - ‚verlorenen‘ zwanzig Jahren, weil in Stille und Abgeschiedenheit zu altern auch ziemlich cool ist. Ich sehe nicht aus als wäre ich 50 Jahre alt, habe zwanzig Jahre die Welt beobachtet, meinen Wert ausgebildet ohne mich von jemandem in eine Richtung pushen zu lassen und gestern gesehen, dass sich nichts verändert hat, es einige neue Ansätze gibt, aber keine große konzeptuelle Idee vorhanden ist, jetzt haben sie einmal einen Ort gefunden, an dem sie wie bei einer Blaupause die Stimmung der letzten hundert Jahre mitnehmen könnten, hier muss der Konjunktiv her, das ist Pflicht, denn leider können es viele ja nicht, wenn sie ihren Inhalt und den darauffolgenden Output nicht angemessen prüfen, sondern Substanzen und der - wir erinnern uns - sehr unterschiedlich zu bewertenden Feedbackkultur der Mitbewerber Glauben schenken, statt einer nüchternen und harten Selbstprüfung. ...
Jetzt bin ich wieder um neun eingeschlafen und gegen elf aufgewacht, der Text da war von heute Früh. Seit 23h also wach. Der Rhythmus wird auch nicht langfristig klappen. Putzmunter. Morgen muss ich aber wieder um 6h aufstehen. Heul. Jammer nicht liu. Wird schon. Tschau banana ich höre Musik und hoffe wieder wegzudösen. Salü