Unter einem Sonnenhut
Für meinen Sohn, die bestmögliche Version meiner Selbst sein und noch mehr werden, ihm zuhören, so oft und vollkommen ich kann, seinen immensen Humor als Side-kick zurückspiegeln, damit er sieht, wie er Menschen zum Leuchten bringen kann.
Für meinen Vater, das Feuer am Brennen zu halten, die Erkenntnis, dass es in den eigenen Händen liegt, und die Dinge immer unschuldig sind, das Sanfheit und Humor der Schlüssel, und die Fehlersuche bei sich an erster Stelle zu stehen hat.
Für den Vogelmann, weil ich weiß, dass wir uns wiedersehen. Ob in diesem Leben oder in der Unendlchkeit weiß ich allerdings nicht, und diese zwei Sätze erklären das gesamte Glück daran.
Für meine Freund:innen und Bekannt:innen, die Künstler, Musiker, Schriftsteller, Handwerker, Kaufleute, Köche und Diener, Lehrer und Gelehrten der Gegenwart und Vergangenheit, die Outlaws und Ausgegrenzten, die Underdogs und Verrückten, die Liebenden und die Normalos meine Dankbarkeit und ewigen Respekt. Weil ihr mehr seid, in Summe, als jene, die nur nehmen können, quis ut deus, my cheesy Mike. I love you all, Mutschekiepschens.
Für mich, es gelingt, meinen Witz und die Selbstironie im Alltag zuzulassen und der neutralen Schönheit der Existenz mutig entgegenzutreten, mir von dem in mich reingestossenem und -geschrienem Stress nicht mehr weißmachen zu lassen, ich hätte ein Agressionsproblem über das angemessene Maß am Ende des Antrophozäns hinaus.
Für J. S. Bach, weil er es wieder geschafft hat, jene Synapsen, die sich in ein heiloses Chaos zerstreut hatten aus dummem Ernstnehmen des Ausdruck all der glänzenden Oberflächen heraus, in eine Ordnung zu bringen, quasi zu fugen, in welcher der Grund der Existenz wie ein kleiner Zen-Meister im eigenen Bauch oder Herzen einen Gong anschlägt, bis zum nächsten Mal, in mathematischer Genauigkeit einer Theorie die nachwirkt, auch wenn man nicht 24/7 Bach hören kann, weil die, auch den allergrösten Genies immanente Mangelhaftigkeit des Ausdrucks ja gerade deswegen der Theorie das Leben einhaucht, gerade wegen der kleinen Abweichungen im Plan, die Partitur nicht interpretiert sondern weitergeführt wird, in eine andere Zeit und einen anderen Meister, der das dann mitnehmen und weitergeben kann, wenn die Welt der perfekten kleinen Gesellschaften, die alles immer richtig machen, die sich nie genügen, wieder mal an einer Seele gerüttelt hat, um die eigene Inhaltslosigkeit mit sinnlosem Geschrei zu übertönen ‚Du Versager! Liuea was bist Du für ein mönströser Versager!‘ und das Wort eines ist, das man nicht in den Mund und das Herz nehmen kann, eben weil es solch eine Musik gibt, und weil man im besten Fall wegen Rothko und Monet wieder erinnert wird, dass ja Johann Sebastian Bach auch einer der Kandiaten ist, die einen immer zu retten in der Lage sein werden.
Manches sollte man auswendig lernen. Nur zwei Dinge, von Benn, Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit von Bach, Das dritte Licht von Keegan, Forever young von Dylan, die Seerosen von Monet und hauptsache ein Bild von van Gogh. Dann ist man auf der sicheren Seite, für immer.